
Julia Althoff
Vorstellung der neuen Geschäftsführerin von Re-Use Deutschland e.V.
Oder was läuft falsch in einer Gesellschaft, in der Hyper-Fast-Fashion den Stil von Vintage Kleidung imitiert?
Wer ist die neue Geschäftsführerin von Re-Use Deutschland e.V. und was motiviert sie?
Dieses wird keine Vorstellung im herkömmlichen Sinn. Klassischerweise folgen ein paar relevante Stationen aus dem Berufsleben, Studienschwerpunkte und nette Zitate zur Zielsetzung der neuen Geschäftsführung.
Mir ist wichtig, etwas fundierter zu beginnen und zu zeigen welche Bedeutung diese Branche in ihrer Zukunftsperspektive wirklich besitzt und welchen Anteil die Gesellschaft daran trägt.
Durch einen Schüleraustausch in England in den frühen 1990er Jahre habe ich meine Begeisterung für Vintagebekleidung und „Schätzchen-Shoppen“ entdeckt. Ob es kleine, liebevoll hergerichtete Vintageboutiquen oder Läden großer Charityshop-Ketten gewesen sind – nachhaltig einzukaufen war damals in Großbritannien täglicher Usus.
Zurück in Deutschland fehlte mir dieses gute Gefühl beim Einkleiden und Einrichten, hier dominierten Neuwareläden. Gebrauchtwarenkaufhäuser waren in der Wahrnehmung der Gesellschaft für Sozialschwache.
Dieses Denken ist auch nach mehr als 30 Jahren in vielen Köpfen noch vorhanden. Meine Intention als neue Geschäftsführerin von Re-Use Deutschland e.V. ist es, Transparenz in Konsumverhalten zu bringen und Nachhaltigkeit mit allen Facetten in ihrer Bedeutung zu stärken.
Denn was läuft falsch in einer Gesellschaft in der Fast-Fashion-Ketten Ballonseide-Trainingsjacken in True-Vintage-Design der frühen 1990er Jahre produzieren lassen und pure Plastikteile allein wegen der Optik in Secondhandläden landen, weil sie sich im Stil integrieren lassen und der Markt von Hyper-Fast-Fashion-Riesen wie SHEIN überflutet wird. Warum muss es für manche Menschen immer Neuware sein?
Für mich ist es keine Frage der Transparenz oder des Kommunikation-Mangels, es gibt genügend Informationsquellen und -material, so dass jedem Menschen klar sein müsste, was hinter billig und giftig produzierter Massenbekleidung steckt.
Bereits vor fünf Jahren, in der Ausstellung „Look! Enthüllungen zu Kunst und Fashion“ im Marta Herford, als ich dort Pressesprecherin und Verantwortliche der Öffentlichkeitsarbeit gewesen bin, ging es bereits um die Auswirkungen des Hyper-Fast-Fashion-Hypes, hier ergaben sich viele gute Gespräche mit Menschen über die Bedeutung von Konsumbedarf.
Aktuell beschäftigt sich Re-Use Deutschland mit dem lokalen Projekt der „Re-Welle OWL“ wo es um Wiederverwendung und Ressorcenschonung geht.
Vorbild sind jetzt eindeutig die Niederlande, hier sind Kringwinkel so eingerichtet, dass die Menschen zweimal hinschauen, lesen und riechen müssen. Moderne Shopkonzepte mit Warenpräsentation und Ladengestaltung lassen einen Unterschied zu Neuwareläden nur schwer erkennen.
Als Mitglied im europäischen Verbund von Re-Use-Verbänden sehen wir die Unterschiede in ganz Europa und möchten hier vorbildhaft agieren.
Wiederverwendung beginnt mit Wertschätzung!
Julia Althoff

Altkleidermarkt unter Druck: Regionale Lösungen werden wichtiger
Das Institut Arbeit und Technik (IAT) beschäftigt sich in seiner aktuellen Veröffentlichung „Regionale zirkuläre Wirtschaft im Altkleidergeschäft – Wunsch oder Wirklichkeit?“ mit der schwierigen Situation auf dem Alttextilmarkt.
Die Analyse beschreibt eine strukturelle Krise: Steigende Mengen an Alttextilien treffen auf sinkende Textilqualitäten und schrumpfende internationale Absatzmärkte. Gleichzeitig steigen die Kosten für Sortierung, Lagerung und Entsorgung.
Besonders problematisch sind Textilien, die nicht mehr für eine Wiederverwendung geeignet sind. Für große Mengen dieser Ware fehlen bislang wirtschaftlich tragfähige regionale Verwertungs- und Recyclingwege.
Das IAT sieht Potenzial in stärker regional organisierten Strukturen. Spezialisierte Akteure könnten beispielsweise Sortierung, Materialerkennung, Störstoffentfernung und die Weitergabe an geeignete Recyclingverfahren übernehmen.
Für Re-Use-Betriebe bedeutet das: Kooperationen innerhalb einer Region könnten künftig noch wichtiger werden – insbesondere für die Mengen, die nach der Sortierung nicht mehr für den Secondhandverkauf geeignet sind.
Quelle: Institut Arbeit und Technik, Forschung Aktuell 09/2026 – „Regionale zirkuläre Wirtschaft im Altkleidergeschäft – Wunsch oder Wirklichkeit?“
Bis zu 3.000 Euro für Reparaturinitiativen
Das Bundesumweltministerium hat am 22. September 2026 die zweite Runde des Förderprogramms „Reparieren statt Wegwerfen“ gestartet.
Ehrenamtliche und gemeinnützige Reparaturinitiativen können bis zu 3.000 Euro Förderung erhalten. Finanziert werden können unter anderem Geräte, Maschinen, Werkzeuge und weitere Ausstattung sowie Qualifizierungsmaßnahmen und Zertifizierungen.
Interessant ist die neue Förderrunde insbesondere für Initiativen, die nicht als eingetragener Verein organisiert sind. Für das Programm stehen insgesamt drei Millionen Euro zur Verfügung. Die Vergabe erfolgt nach dem Prinzip „First Come, First Serve“.
Antragsfrist ist der 30. Oktober 2026.
Für Re-Use-Unternehmen, die selbst Reparaturangebote betreiben oder mit Repair-Cafés und ehrenamtlichen Reparaturinitiativen zusammenarbeiten, kann es sich lohnen, regionale Partner auf die Förderung aufmerksam zu machen.
Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, 22.09.2026

RREUSE: Soziale Kreislaufwirtschaft stärker berücksichtigen
Das europäische Netzwerk RREUSE hat seine Analyse zum European Semester 2026 veröffentlicht. Darin untersucht RREUSE, inwieweit soziale und zirkuläre Wirtschaft in den politischen Planungen und Empfehlungen der EU-Mitgliedstaaten berücksichtigt werden.
Positiv bewertet RREUSE, dass die Unterstützung für die Sozialwirtschaft gegenüber 2025 zugenommen hat. Bei Maßnahmen zur Kreislaufwirtschaft sieht das Netzwerk dagegen kaum Fortschritte.
RREUSE fordert unter anderem, soziale Unternehmen stärker in politische Strategien einzubeziehen, die europäische Abfallhierarchie konsequenter zu berücksichtigen und die Rolle der Sozialwirtschaft bei der Integration von Menschen in den Arbeitsmarkt sichtbarer zu machen.
Gerade für gemeinnützige und soziale Re-Use-Unternehmen ist dieser Punkt relevant: Wiederverwendung schafft nicht nur ökologische Wirkung, sondern gleichzeitig Beschäftigung, Qualifizierung und soziale Teilhabe.
Diese Verbindung sollte auch in Deutschland gegenüber Politik und Verwaltung weiterhin deutlich gemacht werden.
Quelle: RREUSE, „Social & circular economy in the 2026 European Semester: progress needs enforcement“, 14.09.2026
Textilien: Recycling darf Wiederverwendung nicht verdrängen
Auch auf europäischer Ebene bleibt der Umgang mit Alttextilien ein zentrales Thema. Die EU Textiles Ecosystem Platform hat Anfang September neue Ergebnisse aus europäischen Forschungs- und Innovationsprojekten zur Kreislaufwirtschaft im Textilbereich vorgestellt.
Im Fokus stehen unter anderem Baumwolle, Wolle, Polyester und Mischgewebe. Gerade bei gemischten Materialien bestehen weiterhin große technische und wirtschaftliche Herausforderungen für ein hochwertiges Recycling.
Parallel werden neue Systeme für Sammlung, Sortierung zur Wiederverwendung, Reparatur und Recycling entwickelt und gefördert.
Für die Re-Use-Branche ist dabei entscheidend, dass Recycling nicht zum Ersatz für Wiederverwendung wird. Eine gute Sortierung muss zuverlässig unterscheiden, welche Textilien weitergetragen oder weiterverkauft werden können und welche tatsächlich in Recyclingprozesse gehören.
Wiederverwendung bleibt die ökologisch höherwertige Stufe und sollte deshalb bereits bei Sammlung und Sortierung Vorrang haben.
Quelle: EU Textiles Ecosystem Platform, „Circular economy R&I projects highlight pathways for recycled and bio-based materials“, 03.09.2026

Online-Gruppenworkshop: Unternehmensvision im Arbeitsalltag umsetzen
6. Oktober 2026 | 10:00–14:30 Uhr | online
Veränderungsprozesse brauchen Orientierung. Eine klar formulierte Unternehmensvision und Mission helfen dabei, Entscheidungen zu treffen, Mitarbeitende einzubinden und Veränderungen langfristig im Arbeitsalltag zu verankern.
Im Workshop erfahren die Teilnehmenden, welche Merkmale eine wirkungsvolle Vision und Mission auszeichnen, wie daraus strategische Handlungsfelder entstehen und wie diese in konkrete Maßnahmen übersetzt werden können.
Der Workshop ist Teil der Reihe „Veränderungen erfolgreich managen“, kann aber auch einzeln gebucht werden. Er richtet sich insbesondere an Geschäftsführungen und Entscheidungsträger, die Veränderungsprozesse aktiv gestalten und begleiten möchten.
Datum: 6. Oktober 2026
Uhrzeit: 10:00–14:30 Uhr
Teilnahme: je nach Fördervoraussetzung kostenfrei bzw. 214,20 € inkl. MwSt.

Unser Stammtisch
Wie jeden Monat im und für das Re-Use Netzwerk:
Eure aktuellen Themen besprechen wir in monatlicher Runde beim
Stammtisch für Geschäftsführer:innen im Re-Use, Betriebsleiter und andere Führungskräfte, sowie solche die es waren werden wollen und nur dem Namen nach nicht sind:
jeden letzten Mittwoch im Monat, 10 – 11h!
Noch nicht dabei? Dann sendet bitte eine Mail an office@reusedeutschland zur Freischaltung!

