Stellungnahme zur Textil-EPR: Wiederverwendung stärken statt verdrängen

Die geplante Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien ist ein wichtiger Schritt hin zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Re-Use Deutschland e.V. und die bag arbeit e.V. begrüßen ausdrücklich, dass Hersteller künftig stärker in die Verantwortung für Sammlung und Verwertung von Alttextilien genommen werden.

Gleichzeitig machen beide Verbände deutlich: Damit die neue Regelung ihre Wirkung entfalten kann, muss Wiederverwendung konsequent gestärkt werden. Secondhand-Strukturen, insbesondere Sozialkaufhäuser und Secondhand Stores sowie gemeinnützige Sammler, leisten bereits heute einen zentralen Beitrag zur Abfallvermeidung und Ressourcenschonung. Diese Arbeit darf durch einseitig auf Recycling ausgerichtete Systeme nicht geschwächt werden.

Worum es jetzt geht

Im aktuellen Eckpunktepapier sieht Re-Use Deutschland wichtige Ansätze, aber auch klare Risiken. Besonders kritisch ist die Frage, wer die zukünftigen Systeme steuert. Eine Dominanz von Herstellerinteressen könnte dazu führen, dass gemeinwohlorientierte Akteure an den Rand gedrängt werden.

Deshalb fordern Re-Use Deutschland und bag arbeit unter anderem:

  • Eine verbindliche Priorisierung der Wiederverwendung vor Recycling
  • Eine faire und transparente Verteilung der Mittel
  • Die aktive Einbindung von Sozialunternehmen in alle Entscheidungsprozesse
  • Eine gesicherte Finanzierung von Sammlung, Sortierung und Vorbereitung zur Wiederverwendung

Nur wenn diese Punkte berücksichtigt werden, kann die EPR zu einem echten Steuerungsinstrument für Abfallvermeidung und hochwertige Kreisläufe werden – und nicht nur zu einem Finanzierungsmodell für Entsorgung.

Unser Appell

Die gemeinnützige Textilwirtschaft ist unverzichtbar für eine nachhaltige Zukunft. Jetzt kommt es darauf an, die gesetzlichen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass bestehende Strukturen gestärkt und weiterentwickelt werden.

Re-Use Deutschland setzt sich gemeinsam mit seinen Partnern dafür ein, dass Wiederverwendung im Zentrum der neuen Textilpolitik steht.