Mengenbilanz 2025

Mehr als 53.000 Tonnen gespendete Waren, 33.360 Tonnen Wiederverwendung und ein weiter steigendes Textilaufkommen: Die Mengenbilanz 2025 zeigt die wachsende Bedeutung der Re-Use-Branche. Sie macht aber auch deutlich, dass Sozialkaufhäuser und Secondhand Stores zunehmend die Kosten für Waren tragen, die sich nicht mehr weiterverwenden lassen.

Warum wir die Mengenbilanz erheben

Die Leistung der Re-Use-Branche sichtbar machen

Sozialkaufhäuser und Secondhand Stores leisten täglich einen wichtigen Beitrag zur Abfallvermeidung. Sie nehmen gespendete Waren entgegen, transportieren, sortieren und prüfen sie, bereiten sie auf und bringen geeignete Produkte zurück in die Nutzung.

Mit der jährlichen Mengenbilanz macht Re-Use Deutschland diese Arbeit messbar. Die Daten zeigen, welche Mengen durch die Betriebe erfasst und wiederverwendet werden – und wie sich das Warenaufkommen entwickelt.

Damit entsteht zugleich eine wichtige Grundlage für den politischen Dialog. Denn Wiederverwendung benötigt verlässliche Strukturen, ausreichend Personal, geeignete Flächen und eine Finanzierung, die auch die zunehmenden Sortier- und Entsorgungskosten berücksichtigt.

Eine immer breitere Datenbasis

110 Stores beteiligten sich

An der Mengenbilanz 2025 haben sich insgesamt 110 Sozialkaufhäuser und Secondhand Stores beteiligt. Im Jahr zuvor waren es 92 Standorte.

Die Beteiligung ist gegenüber 2024 um knapp 20 Prozent gestiegen. Das ist ein großer Erfolg, denn mit jedem zusätzlichen Standort wird die Datengrundlage der Branche aussagekräftiger.

Für die Interpretation der Mengen ist die größere Teilnehmerzahl jedoch entscheidend: Steigende Gesamtsummen entstehen zum Teil dadurch, dass mehr Stores erfasst wurden. Deshalb betrachten wir zusätzlich die Mengen je teilnehmendem Standort.

33.360 Tonnen wiederverwendet

Auch je Store ein deutlicher Anstieg

Die teilnehmenden Betriebe haben 2025 insgesamt 33.360 Tonnen Waren einer erneuten Nutzung zugeführt. 2024 waren es 23.026 Tonnen.

Die Gesamtmenge ist damit um rund 45 Prozent gestiegen. Ein Teil dieses Zuwachses erklärt sich durch die größere Zahl der teilnehmenden Stores.

Bereinigt um die Teilnehmerzahl zeigt sich dennoch eine starke Entwicklung:

  • 2024: rund 250 Tonnen Re-Use-Menge je Store
  • 2025: rund 303 Tonnen Re-Use-Menge je Store

Damit ist die wiederverwendete Menge je teilnehmendem Standort um rund 21 Prozent gestiegen.

Die Zahlen belegen, welche wachsende Bedeutung Sozialkaufhäuser und Secondhand Stores für Abfallvermeidung, Ressourcenschutz und die Verlängerung von Produktlebenszyklen haben.

Immer mehr Ware erreicht die Betriebe

Mehr als 53.000 Tonnen gespendete Waren

2025 wurden in den vier erfassten Warengruppen insgesamt rund 53.288 Tonnen gespendete Waren angenommen. 2024 lag die erfasste Menge bei 38.458 Tonnen.

Auch hier muss die gestiegene Zahl der teilnehmenden Stores berücksichtigt werden, damit ist das Wrenaufkommen je teilnehmendem Standort um rund 16 Prozent gestiegen.

Für die Betriebe bedeutet dies erheblich mehr Arbeit: Die Waren müssen angenommen, bewegt, gelagert, gesichtet, nach Qualität sortiert und für eine mögliche Wiederverwendung vorbereitet werden. Das gilt auch für Produkte, die sich nach der Prüfung nicht mehr verkaufen lassen.

Textilien dominieren das Spendenaufkommen

23.223 Tonnen Textilien in nur einem Jahr

Mit 23.223 Tonnen stellen Textilien die mit Abstand größte Warengruppe der Mengenbilanz 2025 dar.

Fast jede zweite erfasste Tonne entfällt  auf Textilien. Dieses außergewöhnlich hohe Aufkommen zeigt, wie stark Sozialkaufhäuser und Secondhand Stores inzwischen auch als niedrigschwellige Annahmestellen für aussortierte Kleidung genutzt werden.

Doch nicht alles, was gespendet wird, ist noch tragbar oder verkäuflich. Die Betriebe erhalten zunehmend verschmutzte, beschädigte oder qualitativ so minderwertige Textilien, dass eine Wiederverwendung nicht möglich ist.

Das belastet die Einrichtungen doppelt: Die Ware muss zunächst angenommen und sorgfältig sortiert werden. Anschließend entstehen für nicht wiederverwendbare Textilien zusätzliche Transport- und Entsorgungskosten.

Eine Spende ist nicht automatisch wiederverwendbar

Steigende Abfallmengen werden zum finanziellen Risiko

Sozialkaufhäuser und Secondhand Stores möchten möglichst viele gespendete Waren weitergeben. Sie können jedoch nur das wiederverwenden, was funktionstüchtig, sicher, hygienisch und tatsächlich noch nachgefragt ist.

Ein wachsender Anteil der abgegebenen Waren erfüllt diese Voraussetzungen nicht. Besonders deutlich wird dies bei Textilien. Immer mehr Menschen geben ihre aussortierte Kleidung bei gemeinnützigen Einrichtungen ab – unabhängig davon, ob sie noch tragbar oder verkäuflich ist.

Für die Einrichtungen entstehen dadurch Kosten für:

  • Annahme und Transport,
  • Sortierung und Qualitätsprüfung,
  • Zwischenlagerung,
  • Personal und Logistik,
  • sowie die Entsorgung nicht wiederverwendbarer Waren.

Die Spende ungeeigneter Ware verlagert Entsorgungskosten damit zunehmend auf gemeinnützige Betriebe. Diese Kosten fehlen anschließend für die eigentliche Wiederverwendung, für Beschäftigung, Qualifizierung und soziale Angebote.

Mehr Arbeitsplätze und mehr Verantwortung

2.054 Mitarbeitende in den erfassten Betrieben

In den an der Mengenbilanz beteiligten Betrieben waren 2025 insgesamt 2.054 Menschen beschäftigt.

Auch diese Gesamtzahlen sind von der größeren Zahl teilnehmender Stores beeinflusst. Rechnerisch ergibt sich:

  • 2024: rund 18 Mitarbeitende je Store
  • 2025: rund 19 Mitarbeitende je Store

Neben der größeren Datenbasis ist somit auch je teilnehmendem Store ein leichter Beschäftigungszuwachs erkennbar.

Die Zahlen unterstreichen, dass Re-Use nicht nur Umwelt- und Ressourcenschutz bedeutet. Die Branche schafft Arbeitsplätze, ermöglicht Qualifizierung und Teilhabe und verbindet ökologische mit sozialen Zielen.

Eine politische Aufgabe

Kommunen und Hersteller müssen Verantwortung übernehmen

Die Mengenbilanz zeigt: Sozialkaufhäuser und Secondhand Stores übernehmen einen immer größeren Teil der kommunalen Abfallvermeidung. Sie halten zehntausende Tonnen Waren im Nutzungskreislauf und reduzieren damit Abfallmengen, Rohstoffverbrauch und Umweltbelastungen.

Gleichzeitig tragen sie jedoch häufig selbst die Kosten für die Entsorgung jener Waren, die ihnen zwar als Spende übergeben werden, aber nicht mehr wiederverwendbar sind.

Aus Sicht von Re-Use Deutschland darf diese finanzielle Belastung nicht dauerhaft bei den gemeinnützigen Betrieben verbleiben. Nicht wiederverwendbare Ware wäre andernfalls Teil der kommunalen Abfallströme und müsste über die kommunalen Entsorgungssysteme erfasst und finanziert werden.

Es braucht deshalb Lösungen, die Sozialkaufhäuser und Secondhand Stores von diesen Kosten entlasten. Dazu gehören insbesondere:

  • eine kommunale Kostenübernahme für nicht wiederverwendbare Spenden,
  • kostenlose oder vergünstigte Entsorgungsmöglichkeiten,
  • verbindliche Kooperationen mit öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern,
  • eine angemessene Vergütung der Sortier- und Vorbereitungsleistungen,
  • sowie eine wirksame Herstellerverantwortung, insbesondere für Textilien.

Wer Wiederverwendung politisch stärken möchte, muss auch die Kosten berücksichtigen, die vor der Wiederverwendung und bei der Aussortierung ungeeigneter Ware entstehen. Re-Use Deutschland wird die Ergebnisse der Mengenbilanz deshalb verstärkt in den politischen Dialog einbringen. Unser Ziel ist eine faire Aufgaben- und Kostenverteilung, die die tatsächliche Leistung der Betriebe anerkennt und ihre wichtige Arbeit langfristig absichert.

5 neue Marketingideen mit kleinem Budget

Im letzten Newsletter haben wir zehn ungewöhnliche Marketingideen vorgestellt, die sich auch mit wenig Zeit und kleinem Budget umsetzen lassen. Hier kommt die nächste Runde – mit fünf weiteren Ideen für Sozialkaufhäuser und Secondhand Stores.

1. Der Einkaufszettel aus dem Schaufenster

Gestalten Sie Ihr Schaufenster einmal nicht nur schön, sondern ganz konkret: „5 Dinge für die erste Wohnung unter 50 Euro“ oder „Alles für den Balkon unter 30 Euro“.

So zeigen Sie direkt, wie viel sich mit einem kleinen Budget finden lässt. Das funktioniert besonders gut für Studierende, Familien, Menschen in der ersten eigenen Wohnung oder Kundinnen und Kunden, die bewusst sparen möchten.

2. Die 10-Minuten-Stöber-Challenge

Machen Sie aus dem Einkauf ein kleines Spiel: Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter stellt die Aufgabe, innerhalb von zehn Minuten ein komplettes Outfit, eine Tischdekoration oder ein Geschenkset zu finden.

Das Ergebnis kann anschließend fotografiert und in den sozialen Medien gezeigt werden. Gleichzeitig sehen Kundinnen und Kunden, wie vielseitig das Sortiment ist.

3. Themenregale statt Einzelstücke

Stellen Sie Produkte nicht nur nach Warengruppen, sondern nach Situationen zusammen, zum Beispiel:

„Kaffeepause im Garten“
„Erste eigene Küche“
„Kindergeburtstag unter 20 Euro“
„Gemütlicher Leseabend“

Solche Themenwelten regen zu zusätzlichen Käufen an, weil Kundinnen und Kunden nicht nur ein Produkt, sondern direkt eine Idee sehen.

4. Die lokale Wunschliste

Fragen Sie Ihre Community regelmäßig: „Was sucht ihr gerade?“ Die Antworten können über Instagram, Facebook oder einen kleinen Zettel im Laden gesammelt werden.

Anschließend zeigen Sie passende Fundstücke unter dem Motto „Ihr habt gesucht – wir haben gefunden“. So entsteht Dialog, und gleichzeitig erfahren Sie mehr darüber, welche Produkte aktuell gefragt sind.

5. Der Secondhand-Geschenkservice

Bieten Sie kleine, fertig zusammengestellte Geschenkideen an – zum Beispiel ein Teeset, ein Buch mit Tasse, ein Kinderpaket oder eine Vintage-Dekoauswahl.

Mit einer einfachen Schleife oder wiederverwendbaren Verpackung wird daraus ein besonderes Geschenk. Das erleichtert die Kaufentscheidung und zeigt, dass Secondhand persönlich, hochwertig und kreativ sein kann.

Unser Tipp

Nicht jede Idee muss dauerhaft laufen. Viele Aktionen eignen sich auch als monatlicher Test. Entscheidend ist, auszuprobieren, was zum eigenen Standort, zum Sortiment und zu den Kundinnen und Kunden passt.

Schon eine kleine Aktion kann neue Gespräche auslösen, Aufmerksamkeit schaffen und den nächsten Besuch wahrscheinlicher machen.

Netzwerkveranstaltung: Veränderungen erfolgreich managen

Wie können notwendige Veränderungen angestoßen werden, ohne Mitarbeitende zu verunsichern oder zu überfordern?

Gerade in unsicheren Zeiten werden bestehende Geschäftskonzepte auf die Probe gestellt. Wenn Abläufe, Angebote oder Strukturen nicht mehr funktionieren, braucht es neue Wege – und Mitarbeitende, die Veränderungen mit Kreativität, Mut und Engagement mitgestalten.

In der kostenfreien Online-Impulsveranstaltung geht es darum, Veränderungsprozesse aktiv und gemeinsam zu gestalten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der psychologischen Sicherheit: Wie entsteht ein Arbeitsumfeld, in dem Mitarbeitende Ideen einbringen, Neues ausprobieren und offen über Herausforderungen sprechen können?

Die Veranstaltung richtet sich an Geschäftsleitungen und Führungskräfte. Neben einem Impulsvortrag bleibt Zeit für Fragen, Diskussionen und den Austausch eigener Erfahrungen.

Termin: 28. Juli 2026, 11:00 bis 12:00 Uhr
Referent: Wolfgang Bahre, AVGS-Existenzgründerberater, Persönlichkeitscoach und Organisationsentwickler
Teilnahme: online und kostenfrei

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Projekts „Nachhaltig Wirken“ statt.

Unser Stammtisch

Wie jeden Monat im und für das Re-Use Netzwerk:

Eure aktuellen Themen besprechen wir in monatlicher Runde beim

Stammtisch für Geschäftsführer:innen im Re-Use, Betriebsleiter und andere Führungskräfte, sowie solche die es waren werden wollen und nur dem Namen nach nicht sind:

jeden letzten Mittwoch im Monat, 10 – 11h!

Noch nicht dabei? Dann sendet bitte eine Mail an office@reusedeutschland zur Freischaltung!