
Eckpunktepapier zur erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien
Die Bundesregierung hat ein Eckpunktepapier zur Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien vorgelegt. Ziel ist es, Hersteller künftig stärker in die Pflicht zu nehmen – von Öko Design für Langlebigkeit bis hin zu Sammlung, Sortierung und Verwertung von Alttextilien. Ein entsprechendes Textilgesetz soll bis Mitte 2027 umgesetzt werden .
Zentral ist dabei: Hersteller müssen sich registrieren, sich an sogenannten Organisationen für Herstellerverantwortung beteiligen und die Kosten für das gesamte System tragen – von der Sammlung bis zur Verwertung. Gleichzeitig sollen ökologische Kriterien wie Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit die Höhe der Beiträge beeinflussen.
Besonders relevant für den Re-Use-Sektor sind mehrere Punkte:
- Bestehende Sammelstrukturen sollen genutzt und weiterentwickelt werden, statt neue Parallelstrukturen aufzubauen
- Gemeinnützige Sammler behalten eine Sonderrolle, müssen sich aber an das neue System anbinden
- Eine Sammelquote von 70 % sowie ambitionierte Verwertungs- und Recyclingziele werden eingeführt
- Secondhandläden und Sozialkaufhäuser sind zunächst nicht direkt betroffen – solange es sich um wiederverwendbare Textilien handelt
Das Eckpunktepapier setzt damit wichtige Leitplanken für die Zukunft des Textilkreislaufs in Deutschland – mit spürbaren Auswirkungen auf alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette.

Unsere Stellungnahme zur Textil-EPR
Re-Use Deutschland und BAG Arbeit haben zum Eckpunktepapier Stellung genommen und unsere Perspektive aus der Praxis eingebracht.
Unser zentrales Anliegen: Wiederverwendung muss im System klar priorisiert werden. Re-Use-Akteure leisten bereits heute einen erheblichen Beitrag zur Abfallvermeidung und dürfen durch neue Regelungen nicht benachteiligt oder strukturell geschwächt werden.Forderungen von Re-Use Deutschland e.V. und der bag arbeit e.V.
Re-Use Deutschland e.V. und die bag arbeit e.V. fordern daher für das weitere Gesetzgebungsverfahren:
- Wie von der EU festgeschrieben muss die Priorisierung der gemeinnützigen Sammlungen, Verwertungen und das Re-Use 1:1 in der deutschen Gesetzgebung umgesetzt werden.
- Die Unterstützung sozial- und gemeinwohlorientierter Unternehmen in der Kreislaufwirtschaft muss sicherstellen, dass der Wiederverwendung Vorrang eingeräumt wird.
- Die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen muss gewährleisten, dass sozial- und gemeinwohlorientierte Unternehmen vorrangigen Zugang zum Abfallstrom erhalten, verbindliche Wiederverwendungsziele festgelegt werden, eine vollständige Kostendeckung durch die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) erfolgt, eine inklusive EPR umgesetzt wird sowie zweckgebundene Mittel bereitgestellt werden.
- Eine verbindliche Priorisierung von Wiederverwendung vor Recycling muss im Gesetz sichergestellt werden.
- Die Beteiligung von gemeinnützigen Sozialunternehmen und Re-Use-Akteuren in allen relevanten Gremien ist zwingend umzusetzen. Die Verursacher (Inverkehrbringen) können nicht die alleinige Verantwortung und Entscheidung über die durch ihre Tätigkeit hervorgerufenen Folgen und Kosten übernehmen, eine Beteiligung der gemeinnützigen Textilwirtschaft ist unumgänglich.
- Eine Zweckbindung eines Teils der EPR-Mittel für die Vorbereitung zur
Wiederverwendung, Qualitätssicherung und Infrastruktur auch und insbesondere im gemeinnützigen Sektor. - Keine Benachteiligung gemeinnütziger und kommunaler Sammel- und
Sortiersysteme durch neue Gebühren- oder Lizenzmodelle. - Transparente, öffentlich nachvollziehbare Kriterien für die Mittelverteilung.
- Regelungen gegen Fehlanreize, die nur auf Stoffstrom- oder Recyclingquotenzielen, aber Wiederverwendung unterlaufen.
- Praxisnahe Registrierung gemeinnütziger SammlerInnen und ihrer Mengennachweise, Abrechnungen etc. mit einem Minimum an Bürokratie.
Jahrestagung Re-Use Deutschland
Impulse, Austausch und konkrete Perspektiven für die Kreislaufwirtschaft.
Die diesjährige Jahrestagung hat gezeigt, wie relevant das Thema Wiederverwendung aktuell ist. Neben intensivem fachlichem Austausch bot die Veranstaltung auch Raum für neue Ideen, Kooperationen und strategische Weiterentwicklung – in einer offenen und inspirierenden Atmosphäre.
In den Vorträgen am Morgen wurden zentrale politische und wirtschaftliche Entwicklungen aufgegriffen: Frau Dr. Silke Karcher vom Bundesumweltministerium (BMUKN) beleuchtete aktuelle Rahmenbedingungen der Wiederverwendung und sprach zudem über den sozialen und ästhetischen Mehrwert der gebrauchten Waren. Matthias Neitsch vertrat rreuse Brüssel und Re-Use Austria: er berichtete über den Stand aktueller Gesetzentwürfe der Kreislaufwirtschaft auf EU Ebene und wie man damit in unserem Nachbarland Österreich umgeht. Thomas Ahlmann (FairWertung) gab Einblicke in das soeben erschienene Eckpunktepapier zur erweiterten Herstellerverantwortung Textil.
Am Nachmittag wurden in Breakout-Gruppen praxisnahe Ansätze im Re-Use Netzwerk beleuchtet, weiterentwickelt und gemeinsame Herausforderungen diskutiert. Begleitet durch die Berater des Projekts „Nachhaltig Wirken“ widmete man sich dem Thema der Mengenbilanzierung im Re-Use: der wichtigen Erfassung wiederverwendeter Tonnagen einzelner Warenströme, sowie weiterhin etwa der Erfassung einer C02- Einsparung auf dem Kassenzettel beim Kauf von Re-Use Waren. Der Erforschung zur Erfassung weiterer möglichen Mengen des „footprintmeasuring“ sind hier keine Grenzen gesetzt. Dann gab es Best Practice Beispiele für B2B Kooperationen, anschauliche Erläuterungen zur Einführung von Kennzahlen als Führungstool und eine prägnante Anleitung zum zielgruppenorientierten Social Media Marketing im Re-Use.
Das Ergebnis: neue Kontakte, vertiefte Zusammenarbeit und erste Vereinbarungen für zukünftige Kooperationen. Ein klares Signal aus der Runde war zudem der Wunsch, den fachlichen Austausch in diesem Format künftig häufiger stattfinden zu lassen.
Die Jahrestagung macht deutlich: Re-Use ist ein zentraler Baustein einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft – mit wachsender Bedeutung für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
© Re-Use Deutschland e.V. Fotos: Besim Mazhiqi

Erfolgreiche Spendenkooperation mit Flexispot GmbH
Reuse Deutschland e.V. versteht sich auch als zentrale Anlaufstelle für die Vermittlung und Koordination von Sachspenden. Wir bringen Hersteller und Handel mit unseren Mitgliedern zusammen und sorgen dafür, dass überschüssige Waren sinnvoll weitergegeben werden – sei es durch direkte Zuweisung an einzelne Sozialkaufhäuser und Secondhand Stores oder durch die Weiterleitung externer Anfragen.
Im Rahmen eines Pilotprojekts konnten wir eine besonders erfreuliche Kooperation umsetzen: Die Flexispot GmbH aus Köln wandte sich mit dem Angebot an uns, hochwertige Möbel zu spenden. Dabei handelte es sich um Betten und Sofas, die nun in den Einrichtungen dreier unserer Mitglieder ein zweites Leben erhalten. Die Einfal gGmbH in Hamburg, die Umwelt-Werkstatt in Herten sowie die Recyclingbörse in Herford haben die Spenden übernommen.
Wir danken der Flexispot GmbH herzlich für die großzügige Unterstützung und die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Solche Partnerschaften leisten einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung und ermöglichen es unseren Mitgliedern, ihren Kundinnen und Kunden attraktive Angebote im Sinne der Wiederverwendung zu machen.

25 Jahre RREUSE – Europas Stimme für Re-Use und Sozialwirtschaft
RREUSE, das größte europäische Netzwerk von Sozialunternehmen im Bereich Wiederverwendung, Reparatur und Recycling, feiert sein 25-jähriges Bestehen. Seit seiner Gründung hat sich das Netzwerk zu einer zentralen Stimme für eine sozial gerechte und ökologische Kreislaufwirtschaft in Europa entwickelt .
Heute vereint RREUSE zahlreiche Organisationen aus ganz Europa – darunter auch Re-Use Deutschland – und bringt ihre Perspektiven aktiv in die europäische Politik ein. Ziel ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Wiederverwendung stärken, soziale Teilhabe fördern und nachhaltiges Wirtschaften ermöglichen .
In den vergangenen 25 Jahren hat RREUSE maßgeblich dazu beigetragen, dass soziale Unternehmen als wichtiger Bestandteil der Kreislaufwirtschaft anerkannt werden. Ob durch politische Positionspapiere, Forschung oder den Austausch von Best Practices – das Netzwerk zeigt, wie ökologische und soziale Ziele zusammen gedacht und umgesetzt werden können.
Gerade in Zeiten wachsender Ressourcenkrisen und zunehmender Fast-Fashion-Problematik ist diese Arbeit wichtiger denn je. RREUSE setzt sich dafür ein, dass Wiederverwendung europaweit priorisiert wird – nicht nur als Umweltmaßnahme, sondern auch als sozialer Hebel für Beschäftigung und Teilhabe.
Wir sind stolz, Teil dieses starken europäischen Netzwerks zu sein – und gemeinsam daran zu arbeiten, Re-Use weiter voranzubringen.

Klimazertifikate im Textilbereich – Lösung oder Ablasshandel?
Einige Unternehmen im Modebereich – vereinzelt auch im Umfeld von Secondhand – setzen auf Klimazertifikate, um ihre CO₂-Bilanz zu verbessern. Dabei werden Emissionen, die entlang der Wertschöpfungskette entstehen, rechnerisch durch Projekte an anderer Stelle ausgeglichen.
Grundsätzlich gilt: Wiederverwendung spart nachweislich Ressourcen und Emissionen ein, da keine Neuproduktion erforderlich ist. Die zusätzliche Nutzung von Klimazertifikaten wird jedoch zunehmend kritisch diskutiert. Der Vorwurf: eine Art „Ablasshandel“, bei dem tatsächliche Emissionsvermeidung durch Kompensation ersetzt wird.
Hinzu kommt, dass die Berechnung von CO₂-Einsparungen im Textilbereich komplex ist. Transport, Aufbereitung und Nutzungsdauer lassen sich nur begrenzt standardisieren. Dadurch entsteht Spielraum für unterschiedliche Interpretationen und Bewertungen.
Für den Re-Use-Sektor ist daher entscheidend, die tatsächliche ökologische Wirkung von Wiederverwendung klar und transparent darzustellen. Der Fokus sollte auf realer Abfallvermeidung und verlängerten Produktlebenszyklen liegen – nicht auf nachgelagerten Kompensationsmodellen.

Guten Tag – was kann ich für Sie tun? Verkaufsgespräche sicher, persönlich und überzeugend führen
Online Workshop am 19. Mai 2026 von 9:30 –12:30 Uhr
Jeder Kunde ist anders, manche wollen nur stöbern, andere brauchen Beratung, die Dritten erzählen ihre Lebensgeschichte. Verkauf im Second-Hand ist eine hohe Kunst, da das Sortiment ständig wechselt, die Kundenwünsche genauer ermittelt werden müssen als im First-Hand, da ich den Kunden auf das vorhandene Angebot „umleiten“ muss.
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Wie leitet man ein Verkaufsgespräch ein – und findet dann auch einen Abschluss?
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Wie ermittele ich, was der Kunde wirklich will?
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Wie begegne ich Einwänden?
Diese und Ihre mitgebrachten Fragen beschäftigen uns in dem Workshop.

Infoveranstaltung „Nachhaltig wirken“ in Recklinghausen
Diakonie Umwelt-Werkstatt am 10. Juni 2026 von 11:00 –15:00 Uhr
Wir wissen, dass die aktuellen Herausforderungen für Sozialkaufhäuser und Secondhand Stores immer größer werden: Gestrichene Förderungen erschweren die Finanzierung von Arbeitsplätzen, die neue EU-Textilverordnung führt zu immer mehr angeliefertem unbrauchbarem Material, und die steigenden Entsorgungskosten belasten Ihr Budget zusätzlich.
Gemeinsam können wir nachhaltige Lösungen entwickeln!

Unser Stammtisch
Wie jeden Monat im und für das Re-Use Netzwerk:
Eure aktuellen Themen besprechen wir in monatlicher Runde beim
Stammtisch für Geschäftsführer:innen im Re-Use, Betriebsleiter und andere Führungskräfte, sowie solche die es waren werden wollen und nur dem Namen nach nicht sind:
jeden letzten Mittwoch im Monat, 10 – 11h!
Noch nicht dabei? Dann sendet bitte eine Mail an office@reusedeutschland zur Freischaltung!








