GBER wird überarbeitet: Warum das für Sozialunternehmen wichtig ist

Die Europäische Kommission überarbeitet derzeit die Allgemeine Gruppenfreistellungsverordnung. Diese regelt, in welchem Umfang öffentliche Fördermittel, Zuschüsse oder Beihilfen vergeben werden können – und hat damit direkte Auswirkungen auf Sozialunternehmen in Wiederverwendung, Reparatur und Recycling.

RREUSE fordert gemeinsam mit seinen Mitgliedern bessere Rahmenbedingungen: mehr Planungssicherheit, stärkere Förderung von Qualifizierung und Beschäftigung sowie eine klare Anerkennung von Wiederverwendung und Reparatur als zentrale Bausteine der Kreislaufwirtschaft.

Für Sozialkaufhäuser und Secondhand Stores ist das Thema besonders relevant, denn passende Förderstrukturen entscheiden mit darüber, wie soziale Teilhabe, Beschäftigung und Ressourcenschutz vor Ort langfristig gesichert werden können.

Umsatz rückläufig? 10 ungewöhnliche Marketingideen mit kleinem Budget

Beim letzten Geschäftsführerstammtisch war das Thema schnell gefunden: Viele Sozialkaufhäuser und Secondhand Stores verzeichnen aktuell sinkende Umsätze. Gleichzeitig bleibt kaum Spielraum für große Werbekampagnen.

Dabei müssen neue Kunden nicht immer über teure Anzeigen gewonnen werden. Oft sind es kreative Ideen, die Aufmerksamkeit schaffen – und fast nichts kosten.

1. Das „Fundstück der Woche“

Wählen Sie jede Woche ein außergewöhnliches Produkt aus und erzählen Sie seine Geschichte in den sozialen Medien. Kuriose, nostalgische oder besonders hochwertige Stücke erzeugen Reichweite und machen Lust auf einen Besuch.

2. Die Überraschungstüte

Stellen Sie Überraschungspakete zu festen Themen zusammen – z. B. „Küchenhelden“, „Vintage-Deko“ oder „Sommerurlaub“. Der Überraschungseffekt erhöht den Kaufanreiz.

3. Das goldene Preisschild

Verstecken Sie einmal im Monat ein goldenes Preisschild im Laden. Wer es findet, erhält einen kleinen Rabatt oder ein Geschenk. So entsteht ein spielerischer Anreiz zum Stöbern.

4. Kunden werden zu Kuratoren

Bitten Sie Stammkunden, ihr persönliches Lieblingsstück auszuwählen. Kennzeichnen Sie es im Laden mit einem kleinen Schild: „Empfohlen von unserer Kundin Petra.“ Das schafft Persönlichkeit und Vertrauen.

5. Das Vorher-Nachher-Regal

Zeigen Sie auf Fotos oder kleinen Aufstellern, wie aus einem gebrauchten Möbelstück oder einer alten Lampe durch etwas Kreativität ein echtes Lieblingsstück geworden ist.

6. QR-Codes mit Mehrwert

Ein kleiner QR-Code am Regal kann direkt zu einer DIY-Idee, einer Pflegeanleitung oder einer kurzen Geschichte über Nachhaltigkeit führen. So entsteht ein zusätzlicher Mehrwert für die Kunden.

7. Die „Bring einen Freund“-Woche

Empfehlen Stammkunden das Geschäft weiter und bringen erstmals jemanden mit, wartet auf beide eine kleine Aufmerksamkeit – zum Beispiel ein Kaffee, ein Stoffbeutel oder ein Rabattcoupon.

8. Das Mitarbeiter-Lieblingsstück

Jede Woche präsentiert ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin sein persönliches Lieblingsprodukt. Authentische Empfehlungen verkaufen oft besser als klassische Werbung.

9. Lokale Influencer müssen nicht viele Follower haben

Fragen Sie engagierte Menschen aus Ihrer Stadt – Lehrkräfte, Künstler, Ehrenamtliche oder Vereinsaktive –, ob sie einmal durch den Laden stöbern und ihre Lieblingsstücke teilen. Glaubwürdigkeit zählt oft mehr als Reichweite.

10. Einkauf mit Wirkung sichtbar machen

Viele Kunden möchten wissen, was ihr Einkauf bewirkt. Kleine Hinweisschilder wie „Mit Ihrem Einkauf unterstützen Sie Arbeitsplätze, Ressourcenschutz und regionale soziale Projekte.“ erinnern direkt am Regal daran, warum Secondhand mehr ist als nur günstig einkaufen.

Unser Fazit

Gerade kleine Ideen mit persönlichem Charakter bleiben im Gedächtnis. Nicht Perfektion entscheidet über den Erfolg, sondern Regelmäßigkeit, Kreativität und die Nähe zu den Menschen vor Ort. Oft reicht schon eine neue Idee pro Monat, um wieder häufiger Gesprächsthema in der Region zu werden.

In den kommenden Newslettern werden wir regelmäßig weitere praktische Tipps und kreative Ideen vorstellen, die sich mit wenig Aufwand im Alltag umsetzen lassen. Bleiben Sie dran!

Ein ungewöhnliches Beratungsprojekt: Neue Website für den Logger Belle Amie

Im Rahmen unseres kostenlosen Beratungsprojekts „Nachhaltig wirken“ durften wir ein ganz besonderes Vorhaben begleiten: die neue Website für den historischen Segellogger Belle Amie.

Auf den ersten Blick ist die Belle Amie vielleicht kein klassisches Projekt, wie man es im Beratungsalltag erwartet. Doch genau darin liegt der besondere Reiz. Der Logger ist nicht nur ein Traditionssegler, sondern ein schwimmender Lernort, an dem maritime Geschichte, Naturerlebnis, Umweltbildung und gemeinsames Handeln unmittelbar erfahrbar werden.

Betrieben wird die Belle Amie vom gemeinnützigen Verein Erlebe Meer e.V. Ziel des Vereins ist es, maritimes Kulturerbe zu erhalten und zugleich Themen wie Meeresschutz, Klimawandel, Nachhaltigkeit und CO₂-freie Fortbewegung erlebbar zu machen. An Bord wird nicht nur gesegelt – hier wird gelernt, mitgemacht und Verantwortung übernommen.

Website gemeinsam entwickelt – Schritt für Schritt

In mehreren Workshops haben wir gemeinsam eine neue Homepage entwickelt, die die Besonderheit dieses Projekts sichtbar macht: den historischen Charakter des Schiffes, die gemeinnützige Arbeit des Vereins, die Bildungsangebote und die Möglichkeiten zum Mitsegeln.

Die Website basiert auf WordPress und wurde so aufgebaut, dass sie künftig komplett selbst administriert werden kann – auch ohne Vorkenntnisse. Inhalte, Bilder, Termine und Seiten können eigenständig gepflegt und aktualisiert werden. Damit ist die Belle Amie digital unabhängig aufgestellt und kann ihre Angebote künftig noch besser sichtbar machen.

Beratung, die zur Organisation passt

Gerade bei gemeinnützigen Organisationen ist es wichtig, digitale Lösungen nicht nur technisch umzusetzen, sondern sie verständlich, alltagstauglich und langfristig nutzbar zu machen. Eine Website hilft nur dann wirklich, wenn sie auch nach Projektende gepflegt werden kann.

Genau hier setzt „Nachhaltig wirken“ an: Wir begleiten Organisationen praxisnah, stärken vorhandene Kompetenzen und entwickeln gemeinsam Lösungen, die zur jeweiligen Struktur, zum Team und zu den verfügbaren Ressourcen passen.

Die neue Homepage der Belle Amie zeigt, wie vielfältig Beratung im Rahmen von „Nachhaltig wirken“ sein kann – und dass gemeinwohlorientiertes Engagement viele Formen hat: manchmal an Land, manchmal auf dem Wasser.

Von der Beratung an Bord zur Infoveranstaltung in Kiel

Dass die neue Website der Belle Amie im Rahmen von „Nachhaltig wirken“ entstanden ist, macht dieses Projekt für uns zu einem ganz besonderen Beispiel. Umso mehr freuen wir uns, dass auch unsere nächste Infoveranstaltung zum Beratungsprojekt an Bord des Traditionsschiffs Belle Amie in Kiel stattfinden wird.

Am 11. September 2026 von 11:00 bis 15:00 Uhr stellen wir das kostenfreie Beratungsangebot „Nachhaltig wirken“ vor und zeigen, wie Sozialkaufhäuser, Secondhand Stores und gemeinwohlorientierte Initiativen individuell und praxisnah unterstützt werden können. Neben Informationen zum Beratungsprojekt stehen ein Rundgang, Austausch und Praxisbeispiele auf dem Programm.

Die Veranstaltung findet auf dem Traditionsschiff Belle Amie in Kiel statt – einem Ort, der sehr gut zeigt, wie vielfältig gemeinwohlorientiertes Engagement sein kann.

Kurz notiert: Aktuelles aus der Re-Use- und Secondhand-Branche

Auch politisch und gesellschaftlich bleibt die Re-Use-Branche in Bewegung. Einige aktuelle Entwicklungen zeigen, wie wichtig Wiederverwendung, Reparatur und soziale Kreislaufwirtschaft weiterhin sind.

Recht auf Reparatur kommt voran

Die Bundesregierung arbeitet an der Umsetzung der europäischen „Recht auf Reparatur“-Richtlinie. Ziel ist es, Reparaturen attraktiver zu machen, Produktlebensdauern zu verlängern und unnötige Neuanschaffungen zu vermeiden. Für die Re-Use-Branche ist das ein wichtiges Signal: Reparatur wird stärker als Teil nachhaltigen Konsums anerkannt.

Aktionsprogramm Kreislaufwirtschaft beschlossen

Das Bundeskabinett hat Anfang Juni ein Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie beschlossen. Bis Ende 2027 sollen priorisierte Maßnahmen umgesetzt werden, die Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz, Innovation und neue Projekte stärken. Entscheidend wird sein, dass Wiederverwendung und soziale Re-Use-Strukturen in der Umsetzung ausreichend berücksichtigt werden.

RREUSE mit neuer Strategie 2026–2030

Unser europäischer Dachverband RREUSE hat seine neue Strategie für die Jahre 2026 bis 2030 vorgestellt. Im Mittelpunkt steht eine inklusive und beschäftigungsintensive Kreislaufwirtschaft. Damit wird erneut deutlich: Soziale Unternehmen sind nicht nur ökologische Akteure, sondern schaffen auch Arbeitsplätze, Qualifizierung und gesellschaftliche Teilhabe.

Alttextilien weiter unter Druck

Die Lage in der Alttextilsammlung bleibt angespannt. Fast Fashion und minderwertige Textilien bringen Sammel- und Sortierstrukturen zunehmend an ihre Grenzen. Gleichzeitig wächst der politische Handlungsdruck, tragfähige Lösungen für Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung und Recycling zu schaffen.

Die aktuellen Entwicklungen zeigen: Re-Use, Reparatur und Secondhand sind längst keine Randthemen mehr. Jetzt kommt es darauf an, dass politische Strategien nicht nur Recycling stärken, sondern Wiederverwendung, soziale Beschäftigung und gemeinnützige Strukturen konsequent mitdenken.

Unser Stammtisch

Wie jeden Monat im und für das Re-Use Netzwerk:

Eure aktuellen Themen besprechen wir in monatlicher Runde beim

Stammtisch für Geschäftsführer:innen im Re-Use, Betriebsleiter und andere Führungskräfte, sowie solche die es waren werden wollen und nur dem Namen nach nicht sind:

jeden letzten Mittwoch im Monat, 10 – 11h!

Noch nicht dabei? Dann sendet bitte eine Mail an office@reusedeutschland zur Freischaltung!